Bibelauslegung durch Bilder. Zur sakralen Intermedialität im 16. bis 18. Jahrhundert

Johann Anselm Steiger, Bibelauslegung durch Bilder. Zur sakralen Intermedialität im 16. bis 18. Jahrhundert, Band 2 in der Reihe "Kunst und Konfession in der Frühen Neuzeit“. Wenige Bücher bieten so interessanten und erstaunlichen Stoff wie der Band von Johann Anselm Steiger Bibelauslegung durch Bilder. Zur sakralen Intermedialität im 16. bis 18. Jahrhundert. Er enthält Aufsätze zu ausgewählten Kunstwerken reformatorischer Zeit. Dadurch entsteht eine Sammlung historischer Fallstudien, die jeweils anhand eines konkreten Kunstwerks zeigen, wie Bibel, Bild und Kontext zusammenwirken. So wird Neues und Innovatives zutage gefördert: Dass auf einem Lübecker Gemälde der Reformationszeit beim Jüngsten Gericht der Ablasshandel kritisiert und der Papst in den Abgrund gestürzt wird, gehört zur papst(kirchen)kritischen Bildmotivik. Der Papst ist nicht der einzige Gegner: Auch ein Mann mit Turban, bei dem es sich um den Sultan des Osmanischen Reiches, Süleyman I. handeln kann, stürzt in den Abgrund. Er zeigt die von den Zeitgenossen empfundene Bedrohung durch das Osmanische Reich und die Türkenkriege. Ein dritter Gegner ist Kaiser Karl V., dessen auf Rekatholisierung zielende Religionspolitik kritisch ins Bild gebracht wird. Die erste erhaltene lutherische Kanzel mit Inschriften und Bildprogramm stammt bereits aus dem Jahr 1533/34, ist also noch zu Lebzeiten Luthers entstanden – das zeigt ein anderer Beitrag. Eines der schönsten und anrührendsten Grabdenkmäler ist das für die im Kindbett verstorbene Maria Magdalene Langhans aus der Kirche von Hindelbank bei Bern: Der Aufsatz zu diesem Monument enthält eine lesenswerte Interpretation von Bild und Text. Ein wichtiges Buch für alle, die sich für frühneuzeitliche Kunst und das bisher wenig erforschte Miteinander und Ineinandergreifen von Bild und Text in dieser spannenden Zeit interessieren.  

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